Goa…good good Calangut, oder die suche nach den letzten Hippies in Arambol.

 

Die Busfahrt von Malvan nach Panaji in Goa war schon ein kleines Abenteuer. Als ich den Bus eingestiegen bin, hab ich mich kurz umgeschaut und hab gesehen alle Sitzplätze sind schon weg. Na gut dann sitze ich halt auf die Treppe bei der Türe. Das Gepäck landet in den Bussen vorne beim Fahrer. Es gibt im Bus reservierte Sitzplätze für Frauen, Senioren und Gebrechliche.

Wir sind losgefahren und es kamen nach und nach immer mehr Leute in den Bus. Ich bin immer noch auf der Treppe sitzen geblieben, bis es dann irgendwann nicht mehr ging. Der Bus war so gestopft voll. Ich wurde automatisch nach vorne geschoben.

So sass ich dann irgendwann neben dem Fahrer, dann direkt hinter ihm, besser gesagt fast auf seinen Schultern.

Der Verkehr in Indien allgemein ist schon recht krass, aber die Busfahrer übertrumpfen alles nochmal. Lege dich auf der Strasse nie mit einem Indischen Busfahrer an. Du hast keine Chance.

Es wird alles überholt was im Weg ist. Egal ob in der Ortschaft, in der Kurve, Bergauf. Es wird solange gehupt, bis der vordere zermürbt aufgibt und ein bisschen platz macht.

Aber ich vertraue mal den Linien-Busfahrern, die kennen wenigstens ihre Strecke.

In Calangute angekommen hab ich mich gleich in einem Guesthouse in der Nähe vom Bus-Stand einquartiert. Zufälligerweise auch gleich in Strandnähe, perfekt. Bei der Hitze ewig lange nach etwas vielleicht noch günstigerem zu suchen hab ich dann doch kein Bock darauf.

Da bin ich nun in Goa, dem Aussteigerparadies der 70er.

Davon ist leider nichts mehr übrig, zumindest in Calangute. Es gibt hier zwei grosse Parteien an ausländischen Touristen. Zum einen Russische Pauschaltouristen und zum anderen Englische Rentner, die den ganzen Tag in den Pub-ähnlichen Kneipen rumhängen. So hat es für mich zumindest den Anschein. Ob das das erfüllende Leben ist?

Und natürlich jede Menge Indische Touristen, die in das Mallorca von Indien Reisen um Party zu machen und sich mal die Kante geben. Bis jetzt hatte ich auf der ganzen Reise nicht einen betrunkenen Inder gesehen. Okay okay, in der 22 Millionen Metropole Mumbai war einer.

Hier ist das anders. Es gibt überall Alkohol zum kaufen und es liegen am Strand viele Betrunkene rum.

Achja, ich habe vor ca. 6 Monaten mein letztes Bier getrunken. Ich habe komischerweise irgendwie keine Lust mehr darauf. Vielleicht kommt das ja irgendwann wieder, aber im Moment geht es mir viel besser ohne jeglichen Alkohol.

Am Strand reiht sich ein Beach-Shack am anderen und überall lauern die Schlepper, die dich dazu animieren, bei ihnen etwas zu trinken. Dafür bekommst du dann aber auch die Liege und den Sonnenschirm. Manche sind echt cool gebaut und haben guten Sound.

Hier wollten viele Inder ein Foto mit mir machen. Sie sind ganz Happy wenn sie ein Foto mit einem Weissen machen dürfen.

Der Calangute-Beach ist ewig lang. Es hat geile Wellen zum Baden dort.

Am Strand hat es sehr viele Hunde. Ich weiss nicht ob das alles Streuner sind, oder ob die einen Besitzer haben. Auf jeden Fall habe ich noch nie so relaxte Hunde gesehen wie in Goa. Weder knurren oder kläffen sie dich an, noch laufen sie dir hinterher. Sie liegen einfach in der Sonne am Strand und geniessen ihr dasein. Konnte hier zum Glück ein bisschen mein „Streunende-Hunde-Trauma“ loswerden.

Ich hab zweimal mit dem Mund geschmatzt, da sind die Hunde zu mir gekommen und ich konnte sie sogar streicheln. Sie haben es sehr genossen gestreichelt zu werden.

Hab einen Hund gesehen, der hat sich so fröhlich im Sand gewälzt. Er hatte so eine gute Laune. Als er aufgestanden ist, habe ich gesehen, dass er nur drei Beine hat. Dann ist er fort gehumpelt.

Am Strassenmarkt habe ich mir eine leichte lange weisse Hose gekauft. Diese war aber ein bisschen zu lang, somit habe ich einen Schneider aufgesucht, der mir die Hose kürzt. In einer kleinen Nebenstrasse bin ich fündig geworden. Während er meine Hose bearbeitet hat, habe ich gesehen dass er die Nähmaschine mit dem Fuss antreibt. Er hatte irgendwie merkwürdige Füsse. Irgendwie so Knollen unter den Fersen, der Arme.

Ich habe am nächsten Tag ein Foto ausdrucken lassen, das ich von ihm bei der Arbeit gemacht habe. Er hat sich sehr gefreut als ich ihm es geschenkt habe. Er war sehr gerührt und fast den Tränen nahe und wieder habe ich diese Verbindung von tiefer Dankbarkeit gespürt. Ein kleines einfaches Geschenk hat eine so grosse Wirkung.

Irgendwie war mir dann aber der Trubel in Calangute zu gross und ich bin weiter gezogen. Und es ist Off-Saison, wie voll ist das erst wenn High-Saison ist.

 

Bin dann nach Arambol, die Hippie Bastion.

Schon bei der Ankunft mit dem Bus wusste ich, dass es hier viel gemütlicher wird als in Calangute.

Habe diesmal vorgebucht, hat mir aber gar nicht gefallen dort. Das war schon recht versifft dort. Schon bisle merkwürdig. Wenn ich im Voraus buche, gibt es dort tausendmal bessere Unterkünfte. Und wenn ich nicht im Voraus buche, habe ich Mühe überhaupt etwas zu finden…hmmm.

Bin dann mal bisle am Strand entlang gelaufen und habe Ausschau nach einer Strandhütte gehalten. Da wurde ich fündig. Voll die geile Beach-Hut für 400Rs die Nacht. Da kannste echt nicht meckern. Hab erst mal für eine Woche gebucht. Hab später dann nochmal um eine Woche verlängert, weil es mir so sehr gefallen hat dort.

Es hatte zwar das ein oder andere Haustierchen. Ich liess mich aber davon nicht stören. Merke dir, nimm keine Erdnüsse oder Obst in deine Hütte mit. In der Nacht hatte es geraschelt und gekruschtelt, und am nächsten Morgen war alles verstreut und angeknabbert. Dem Scheißhaufen nach war es keine Maus, muss schon was grösseres gewesen sein :-).

Arambol ist wirklich super zum relaxen. Die einen machen Yoga am Strand, die anderen Meditieren, dort spielt einer Gitarre, der nächste Indische Flöte, da jongliert einer. Es ist ein Ort des Friedens und lässt ein bisschen erahnen wie das früher zur Hippiezeit zu und her gegangen ist. Es hat glaub ich auch viele verlorene Glücksritter wie mich dort.

Jeden Abend zum Sonnenuntergang ist am Strand so ein kleiner Flohmarkt. Hab hier eine schöne Kette mit einem Tigerauge-Stein von einem Japaner gekauft.

Davor sitzend spielen zwei Musik. Der eine so ein komisches Zupfinstrument, der andere spielt dazu mit dem Didgeridoo. Die harmonieren so schön miteinander und spielen mit so einer Freude.

Ich bin jeden Abend dort gesessen und habe den Klängen gelauscht. Dazu Masala Chai, das Meer, der Sonnenuntergang. Einfach nur schön.

Hab ich schon erwähnt, dass es auch hier fast nur Russen hat. Russen-Hippies irgendwie.

Im Ort reiht sich ein Verkaufsstand für abgefahrene Klamotten und sonstiges Zeugs am anderen.

Abends bin ich meist ins Organic Vibes, jeden Abend hat es spezielle Live-Musik dort. Ein sehr friedlicher Ort.

Gegen Ende von den zwei Wochen hab ich bemerkt, dass nach und nach immer mehr Bambushütten abgebaut werden. Hab dann mal in meiner Unterkunft nachgefragt und sie sagten auch meine Hütte, das Restaurant, die Küche, einfach alles wird komplett abgebaut.

Bis nach dem Sommer und dem Monsun die neue Saison wieder losgeht. Dann wird wieder alles aufgebaut. Okay, hab ich mir gedacht, der Monsun muss ja dann heftig werden, wenn sie sich so eine Mühe mit dem auf und abbauen machen.

Ich habe hier zum ersten mal mein Gepäck reduziert und einiges an Klamotten den Nepalesen, die in meiner Unterkunft arbeiten, geschenkt. Ich hab viel zu viel Zeugs mit dabei.

Die Woche drauf wird meine Beachhütte abgebaut, also ziehe ich weiter. Muss sowieso langsam in die Puschen kommen, ich will nach Kerala, von dort geht dann auch bald mein Flieger.

Goa, ohne Goaparty

ben

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