Bis heute hatte ich ausser ein paar alten Frauen noch nichts mit Bettlern groß gesehen. Dies sollte sich bald ändern.
Ich war heute wieder beim Streetfoodstand meines Vertrauens und aß gerade mein Fried-Rice.
Auf einmal bemerkte ich, wie mich etwas an meinem Bein berührte. Ich schaue nach unten, da steht ein kleiner Junge. Ich schätze ihn mal so auf ca. 5-6 Jahre. Seine Kleider waren sehr dreckig und zerlumpt. Er selbst hat auch ausgesehen, als hätte er schon längere Zeit kein Bad oder eine Dusche bekommen.
Er schaut mich an und macht mit seiner Hand Bewegungen zu seinem Mund. Sein Gesicht und die Haare waren voller Staub, der durch die ganze Stadt wirbelt. Im ersten Moment habe ich nicht gleich geschalten und war ein bisschen mit dieser Situation überfordert.
Ich schaute etwas verlegen den Foodverkäufer an, dann wieder zu dem Jungen.
Er machte wieder diese Bewegungen mit seiner Hand zum Mund. Dann habe ich erst richtig realisiert, dass der kleine Junge nicht um Geld bettelt, sondern er hat nichts zu Essen und hat Hunger.
Ich habe wieder zum Foodverkäufer geschaut und genickt, er solle dem Jungen eine Portion zum Essen machen. „poor boy“ sagte er nur kurz mit seinem breiten Indischen Grinsen.
Er gab ihm die Portion, der Junge schaute mich kurz an und wollte damit glaub ich Danke sagen.
Ich dachte er isst es gleich an Ort und Stelle, jedoch ging er damit weg und verschwand in der Menschenmenge.
Hab mir dann später gedacht, dass er es vielleicht zu seiner Familie bringt, oder mit seinem Bruder oder einem Freund teilt.
Richtigen Hunger und nichts zu Essen zu haben ist ein Gefühl, das wohl die wenigsten Menschen in Europa, Deutschland, Schweiz überhaupt nur Ansatzweise kennen.
Diese Szene hat mich noch lange beschäftigt.
Kann man sich wieder die Frage stellen, warum es so viele ganz reiche Menschen gibt, und gleichzeitig Kinder die Hungern müssen.
Dass es hungernde Menschen auf der Erde gibt, weiss ja jeder irgendwie. Wenn man das aber vor Ort selber mitbekommt, ist das nochmal was ganz anderes.
Tags darauf eine andere Situation.
Ich hab an der Bushaltestelle auf den Bus gewartet. Die Strasse hat so etwas wie einen breiteren Mittelstreifen. Dort sind auch so Überquerungshilfen für die Fussgänger.
Während ich so ein bisschen umher geschaut habe, ist mir dort auf einmal jemand aufgefallen.
Ich habe gesehen wie da jemand, in einer Decke eingewickelt, auf dem Boden liegt. Es war ein Junger Mann, vielleicht so ca. 18-20 Jahre alt. Als er sich mal ein bisschen bewegt hat , habe ich erst richtig gesehen wie dünn er war. Er war wirklich sehr dünn.
Er hatte ein paar Plastiktüten um sich herum. Dort holte er immer wieder eine kleine Flasche heraus, und rieb sich mit der Flüssigkeit ein. Ich nehme an es war irgendein Medikament.
Ich konnte dann nicht länger zuschauen und bin los gezogen um an einem Strassenstand etwas zum Essen für den armen Jungen zu holen. Dies habe ich ihm gebracht und zu Ihm hin gestellt. Er schaute mich an und machte mir Zeichen dass er Wasser zum Trinken benötigt. Das habe ich ihm dann auch noch gebracht.
Ich habe ihn angeschaut und für einen kurzen Moment gab es irgendeine Verbindung zwischen uns. Ich habe seine Dankbarkeit gespürt. Ich hab nur genickt und er hat auch genickt, dann bin ich fort gegangen.
Danach sind mir echt die Tränen gekommen und ich bin ein Zeit lang wie in Trance apathisch durch die Stadt gelaufen.
Viele andere Bettler und Verstümmelte sollten noch folgen. Ich hab denen was gegeben wo ich das Gefühl hatte, dass es auch für ihn selbst ist.
Ich hab mich auch an den Film „Slumdog Millionaire“ erinnert, den wir noch kurz vor der Abreise geschaut haben. Ich hab wirklich diese Verunstalteten Menschen mit ausgebrannten Augen gesehen. Es ist schlimm.
ben